1894 - Die Gründung des Vereins

 

Der Musikverein wurde, wie auch im Vereinsnamen fest verankert, im Jahre 1894 gegründet.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert war die Zeit der ersten Vereinsgründungen angebrochen. Vor allem Männergesangvereine und Freiwillige Feuerwehren wurden in dieser Epoche gegründet. Musikvereine erblickten in der Regel erst später das Licht der Welt, waren doch die Gründungen mit enormen finanziellen Aufwendungen mit der Anschaffung der Instrumente verbunden.

Schon lange vor der Gründung des Musikvereins gab es einzelne private Gruppen von Musikern in Waibstadt, die gemeinsam miteinander musizierten. Es wurde zwar des öfteren versucht, alle Musiker in einem Verein zusammenzuschließen, was scheinbar aber mit Schwierigkeiten verbunden war und deshalb nicht klappen wollte.
Im Jahre 1894 wurde dann diese Angelegenheit vom damaligen Bürgermeister Carl Wittmann zur Chefsache erklärt. Er nahm die Sache selbst in die Hand und schuf mit Hilfe der Gemeindeverwaltung die Vorraussetzungen zur Gründung eines Musikvereins.
Und somit wurde eine Versammlung auf den 6. November 1894 einberufen.

Das Gründungsprotokoll gibt einen kurzen Einblick über die Gründungsaktivitäten.

Hier ein Auszug:


„Seit Jahren ist in hiesiger Gemeinde das Interesse und der Wunsch, auch das Bedürfnis fühlbar geworden, dass in hiesiger Stadt eine Musik gegründet werde. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 5. September 1894 den wohlwollenden Beschluss gefasst, dass zur Bildung eines Musikorchesters die nötigen Instrumente für Rechnung der Gemeinde angeschafft und aus der Gemeindekasse das Gehalt eines Musiklehrers mit jährlich 200,- Mark bezahlt werden solle.
Der Bürgerausschuss hat nun den Beschluss des Gemeinderats in der Bürgerausschusssitzung vom 17. September 1894 einstimmig genehmigt. Infolge des Entgegenkommens seitens der Gemeinde ist nun die Möglichkeit eingetreten, einen Musikverein ins Leben zu rufen.
Zur Bildung des Musikvereins hat man alle Freunde der Sache auf heute Abend in den Rathaussaal eingeladen und war auch die Versammlung gut besetzt und vertreten.
Bürgermeister Wittmann eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache über die Bedeutung der Musik und des Gesangs und so trat man alsdann zur Tagesordnung über. Die von Bürgermeister Wittmann entworfenen Statuten wurden beraten und von allen anwesenden Interessenten gut geheißen und genehmigt.

Hierauf schritt man zur Bildung des Musikvereins und ließ sämtlich sich dem Verein anschließenden Herren ihren Beitritt durch Unterschrift bestätigen. Es waren somit:
35 aktive Mitglieder und 13 passive Mitglieder.
Somit hatte sich nun der Musikverein gegründet und man war zur Wahl des Vorstandes und der Beiräte geschritten. Es wurde die Akklamation vorgeschlagen, welche von den Mitgliedern einstimmig angenommen wurde.

Sonach wurden gewählt:
1. als 1. Vorsitzender Herr Bürgermeister Carl Wittmann
2. als Schriftführer und 2. Vorstand Herr Ratschreiber August Zürn
3. als Kassier Herr Hermann Boppre, Buchbinder
4. als Beiräte: Herr Dr. Helbusch, Herr Hauptlehrer Nohe, Herr Carl Phil Vöker, Herr Paul Lott.“

Die ersten beiden Seiten des Protokollbuchs, welche die Gründung des Musikvereins dokumentieren. Natürlich ist es, wie zu jener Zeit üblich, in deutscher Schreibschrift erfasst.
Die 1. Satzung des Musikvereins, entworfen von Bürgermeister Carl Wittmann und von der Gründungsversammlung am 6. November 1894 genehmigt.

Dass dem damaligen Bürgermeister Carl Wittmann diese Sache sehr wichtig war, zeigt sich auch darin, dass er gleich das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm.
Auch nach Carl Wittmann hatten die Stadtväter ein großes Interesse am Musikverein, welches sich in der Tatsache wiederspiegelt, dass das Amt des 2. Vorsitzenden von 1897 bis 1978 vom jeweiligen Bürgermeister ausgeübt wurde. Der letzte Bürgermeister, der dieses Amt inne hatte, war Bürgermeister Karl Eiermann.

Zum ersten Dirigenten des Musikvereins wurde der damalige Lehrer Nagel bestimmt. Und dass dieses Amt ein Lehrer begleitete, war für diese Zeit nicht unüblich.
1. hatten die Lehrer die entsprechende musikalische Bildung und
2. war es den Lehrern in früheren Zeiten sehr willkommen, ihr geringes Lehrergehalt durch einen Nebenverdienst aufzubessern.

So verwundert es auch nicht, dass auch der Nachfolger von Lehrer Nagel, nach dessen Versetzung im Jahre 1897 der Oberlehrer Tremmel war, der dieses Amt dann 25 Jahre lang ausübte.

Nach der Vereinsgründung begann dann ein eifriges Lernen und Proben. Und schon im Folgejahr wurde ein Wohltätigkeitskonzert zu Gunsten der Hochwassergeschädigten in Donaueschingen durchgeführt, welches einen Reinerlös von 50,-- Mark erbrachte. Welch eine Ironie des Schicksals, wenn man bedenkt, dass 99 Jahre später das 100-jährige Jubiläum des Musikvereins auch einem Hochwasser zum Opfer fiel.